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Big Friendly Giants in Harland - Ein Erfahrungsbericht

Green Steps STP

Author:

Knut Wimberger

Short summary:

Dieser Eintrag berichtet über eine Big Friendly Giants Wanderung im St. Pöltner Stadtteil Harland und zeigt auf welche tollen Eindrücke man dabei gewinnen kann.

Big Friendly Giants ist eine von Green Steps entwickelte Aktivität, die vom Shintoismus inspiriert ist und ihren Namen von einem Buch des beliebten Kinderbuchautors Roald Dahl geborgt hat. Wir erforschen das lokale Ökosystem durch lange Spaziergänge (und teilweise am Fahrrad) und wandern von Naturdenkmal zu Naturdenkmal durch die Stadt und ihr Umland. Hört sich das für dich seltsam an? Eine wachsende Zahl von Outdoor-Enthusiasten richtet ihre Urlaubsziele und Wochenendwanderungen nach der Möglichkeit aus, seltene Vogelarten zu sehen. Es ist weniger aufwendig, aber ebenso lohnend, Erkundungstouren in der Natur nach den bekannten Standorten alter Bäume, anstatt nach dem vermuteten Aufenthaltsort von Vögeln auszurichten.

Ich komme nicht umhin, mich ein wenig wie ein Entdecker zu fühlen, wenn wir diese Routen in einem für uns unbekannten Gebiet entwickeln, das außer den örtlichen Landwirten kaum jemand kennt. Die letzte Route in einem südlichen Bezirk St.Pöltens mit dem Namen Harland, erwies sich als wahre Goldmine für Naturliebhaber. Wir beginnen unsere Wanderung, indem wir unser Auto in der Nähe von zwei großen Eichen parken, die als Naturdenkmäler ausgewiesen sind. Ihre beeindruckende Größe ist schon von Weitem sichtbar, doch je näher man kommt, desto unattraktiver werden sie, denn die Stadt hat unter den Bäumen stinkende Recyclingcontainer aufgestellt.

Isak ist auf dem besten Weg, ein junger Entomologe zu werden. Er hat ein besonderes Interesse an Insekten entwickelt und findet sie überall, wo wir unterwegs sind. Zoe und ich atmen tief durch und entfernen uns von den Recyclingcontainern, doch er inspiziert sie neugierig und ruft uns nach einer Weile zu sich: "Schaut mal, was ich gefunden habe!" In der Tat, ein schöner Fang. Meine App sagt mir, dass es sich um eine für uns neue Art handelt, die Südliche Eichen-Buschgrille oder Meconema meridionale, wie die Wissenschaftler diese Heuschrecke nennen. Ihr scheint der Geruch zu gefallen oder vielmehr das, was sie in den Recycling-Containern findet, denn wir treffen auf eine ganze Grillenbande, die sich dort herumtreibt.

Unser wissenschaftlicher Eifer lenkt unsere Aufmerksamkeit wieder auf die Bäume, die wir mit 3,90 bzw. 3,60 Metern Umfang messen. Die weit über 150 Jahre alten Eichen verdienen etwas mehr Respekt, finden wir. Die Entfernung der Recycling-Container und das Aufstellen von ein oder zwei Bänken unter den hölzernen Riesen würden ihr Wohlbefinden und das der Anwohner steigern. Auf einem nicht eingezäunten Privatgrundstück fällt uns auch eine Weißesche auf, deren Stamm wir vermessen. Ein unerwarteter Umfang von 3,80 Metern bringt auch diesen Baum auf unsere Liste der Big Friendly Giants.

Wir setzen unseren Spaziergang in Richtung Auenwald fort, die Kinder genießen eine kurze Pause auf dem Spielplatz, und unser Abenteuer wird mit einer Schar Buntspechte belohnt, die von einem Baum zum nächsten schwirren. Alle drei sind am Hinterkopf rot, was darauf hindeutet, dass es sich um Männchen handelt. Wo sind die Specht-Damen? Wir verlassen den Auwald und beobachten einen riesigen Graureiher, der seine Flügel ausbreitet und langsam von der Traisen abhebt und in Richtung Krems fliegt. Wir überqueren den Fluss, bewundern das spiegelnde Herbstlaub und wandern in ein flaches Feldgelände, das uns freie Sicht auf unser nächstes Ziel gibt: einen Pappelhain.

Die Pappeln erregen nicht viel Aufmerksamkeit neben den leuchtend gelben Ahornblättern, die den Boden bedecken und uns an das Gingko-Laub erinnern, das um diese Jahreszeit ähnlich gelb ist. Wir haben ein bisschen Heimweh und reden über den Herbst in unserem Shanghaier Landhaus, bis wir das nächste Naturdenkmal erreichen: eine riesige Tilia platyphyllos, die wir mit 3,95 Metern Umfang messen. Wir biegen scharf links ab und folgen einer nicht enden wollenden Hecke, die die Straße von den Feldern trennt. Und da sind sie: unsere ersten Stieglitze in St. Pölten. In Apetlon haben wir im Sommer schon einige gesehen, in St. Pölten noch nicht, und wir freuen uns über ein halbes Dutzend dieser schönen Vögel, als wir zurück zum Auwald gehen. Sie begleiten unseren Spaziergang wie Delphine ein Segelboot.

Am Ende der mit zarten Beeren bestückten Hecke biegen wir noch einmal ungeplant links ab und schon von weitem sehe ich eine gelbe Naturdenkmal-Plakette. Wie aufregend! Ein Naturdenkmal, das nicht im Internet zu finden war. Es entpuppt sich als ein Hain junger Bäume und meine Vermutung bestätigt sich, als wir näherkommen, um die Bäume zu begutachten, dass wir wohl auf einige der letzten Ulmen in der Stadt gestoßen sind. Ulmen sind aufgrund eines Pilzes, der sich vor etwa einem Jahrhundert in den Niederlanden zu verbreiten begann, vom Aussterben bedroht. Wir genießen den Moment und essen unseren Proviant im Freien in einem Jägerversteck neben dem Ulmenhain und beobachten einen Feldhasen, der langsam im nahen Auenwald verschwindet.

Auf dem Rückweg zu unserem Auto folgen wir dem Fluss und finden zwei weitere Bäume von beachtlicher Größe: eine Quercus robur mit einem Umfang von 2,90 Metern und einen Fraxinus excelsior mit einem Umfang von 2,60 Metern. Vier neue Bäume und ein ganzer Hain von Feldulmen machen uns an diesem Tag sehr glücklich; und während wir nach den großen freundlichen Riesen Ausschau gehalten haben, sind uns eine stattliche Anzahl von Vögeln in Sichtweite gekommen.. Ein Turmfalke und eine Wiesenweihe tauchen vor unseren Augen auf, als ob sie uns mitteilen wollten, bald wieder nach Harland zu kommen.