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Plastic Pirates – Was uns Müllsammeln über Stadtplanung und Verhaltensarchitektur lehrt

German / Deutsch

Author:

Knut Wimberger

Short summary:

Ein Bericht vom Plastic Pirates Event im Februar und wie die Müllsituation in St. Pölten Probleme in der Stadtplanung und Verhaltensarchitektur offenbart.

Die Plastic Pirates waren am Sonntag wieder auf Raubzug und konnten die Natur von 157kg Müll befreien. Unsere Route zwischen Otto-Glöckel Schule, Glanzstoff Areal und Traisenpark zeigt selbst nach so vielen Monaten immer wieder neue Erkenntnisse. Dieses Mal bewegen uns Gedanken im Zusammenspiel von Stadtplanung, Verantwortung von großen Grundstückseigentümern und der daraus in der Allgemeinbevölkerung entstehenden Verhaltensarchitektur.

Es ist auffällig, dass entlang des gesamten Glanzstoff-Areals egal ob entlang des Mühlbaches oder auf der Herzogenburgerstraße jeden Monat überdurchschnittlich viel Müll zu finden ist – dieses Mal auch drei verlassene Einkaufswagen weitab des nächsten Supermarktes. Die Ursache ist sicherlich teilweise in der mangelnden Verantwortung der betroffenen Grundstückseigentümer zu suchen, die dieses Areal nicht ausreichend pflegen bzw. dafür Verantwortung übernehmen. Dies ist kein Wunder, denn der in Stuttgart lebende Dr. Grupp hat die Glanzstoff vor vielen Jahren als Immobilienspekulant übernommen und interessiert sich nur für die Bewirtschaftung dieses zentralen Stadtteiles. Das Resultat ist ein zunehmend zerstörter Grüngürtel, der von Passanten als überdimensionaler Mülleimer verwendet wird. Warum etwas schützen, das ohnehin bereits zerstört ist?

Am Rudolf Kirchschläger Spielplatz überschneidet sich dieses Problem mit einem anderen: die Nähe des Traisenparks bringt regelmäßig frischen Nachschub an Verpackungsmaterial, Aluminiumdosen und anderen Festmüll, und gesellt sich zu dem Abfall, der seit mindestens zwei Jahrzehnten auf den ehemaligen Glanzstoff Gründen wild abgelagert wird. Unsere Route über den Traisenpark Süd zeigt wieder, dass dort an jedem Tag von einem privaten Entsorgungsunternehmen gereinigt wird. Wind trägt den Müll jedoch sowohl Richtung Süden aber vor allem Richtung Osten an den verkümmerten Baumbestand des Mühlbaches, wo er sich in Büschen und Sträuchern verheddert und den Lebensraum eines Bibers einer Müllhalde gleichen lässt.

Das geübte Auge erkennt sofort, wo die Grundstücksgrenzen des Traisenparks sind, denn bis dorthin ist die Oberfläche gereinigt. Auf dem öffentlichen Radweg und dem angrenzenden Grünstreifen, für welchen die Stadtverwaltung zuständig ist, sammelt sich jeden Monat eine gewaltige Ladung Abfall, der teilweise über den Mühlbach in die Traisen und möglicherweise sogar bis in die Donau fließt.

Welche Verantwortung haben Grundstückseigentümer in ökologischer Hinsicht gegenüber den Gemeinschaftsflächen einer Stadt? Welche Verantwortung hat die Stadtverwaltung gegenüber der Umwelt und ihren Bürgern? Welche Verantwortung hat der Bürger gegenüber seinen Mitmenschen und der Umwelt?

Die als das top Naherholungszentrum gepriesenen Viehofner Seen liegen nur einen Steinwurf vom Traisenpark entfernt. Ein Spaziergang am Sonntagmorgen hat gezeigt, dass auf der Straßenseite Richtung Traisenpark substantielle Mengen von Abfall sich auch dort im Gebüsch verfangen haben – mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls verwehter Müll vom Traisenpark stammend. Es ist höchste Zeit die Stadtplanung und die daraus resultierende Verhaltensarchitektur der Bewohner zu überdenken. Mehr Bezug zum Grätzl ist dringend notwendig und ein Gemeinschaftsgarten am ehemaligen Fußballfeld der Glanzstoff oder auf den Grünflächen westlich der Austraße und südlich des Viehofner Sees wäre dafür das richtige Vehikel.