Autor:
Bee-eater
Short summary:
12 Stationen erzählen über die Veränderung St. Pöltens zwischen 1986 und 2026. Wir haben das Jubiläum zum Anlass genommen St. Pölten mit einer speziellen Quest zu gratulieren, die ab sofort in den am häufigsten gesprochen Sprachen erkundet werden kann.
Ich muss zugeben, dass der AHA-Effekt groß war. Als wir die 12 über das Zentrum und Zentrum Nord verteilten Stationen das erste Mal abgingen, hatte ich zu jedem Ort meine eigene nicht unbedingt berauschende Geschichte, welche sich in den vergangenen 6 Jahren seit meinem Umzug nach St. Pölten zugetragen hatte. Als jemand, der nicht hier geboren wurde und erstmals in einer Kleinstadt lebt, fehlt mir nicht nur der Vergleich der Stadt zu vor 40 Jahren, sondern auch das Verständnis dafür, was es bedeutet sich im Schatten Wiens als lebenswerter Standort behaupten zu müssen.
Aber Schritt für Schritt und Station um Station merkte ich, dass sich in meiner Wahrnehmung meiner neuen Heimatstadt etwas grundlegend änderte. Das NÖ Landesmuseum und das Stadtmuseum haben mit diesen 12 Stationen einen Blick in die jüngere Geschichte der Stadt (und dem Land) ermöglicht und Bildmaterial sowie Erklärungen zur Verfügung gestellt, welches nachvollziehbar macht, wie sehr sich St. Pölten in nur 40 Jahren zum Positiven verändert hat und wie optimistisch wir nicht nur für die Zukunft der Stadt, sondern für unsere Gesellschaft insgesamt sein dürfen.
Ich kann hier nur ein paar Stationen hervorheben und einladen, sich den Gesamteindruck selbst oder mit uns gemeinsam zu erwandern. Das haben wir für Interessierte, und wie immer insbesondere für Schulen, etwas einfacher gemacht, indem alle 12 Stationen in unterschiedlichen interaktiven Quests erfasst wurden und damit nicht nur nach dem Ende des Jubiläumsjahres, sondern versetzt mit einem guten Portion gamification erhalten bleiben.
Dieser Artikel soll kein Gnadenerlass für in der Vergangenheit kritisierte Fehler in Stadtplanung und Stadtentwicklung sein, aber ich möchte meinen Respekt für das Erreichte zum Ausdruck bringen – denn auch wenn es hier und da grobe Schnitzer gegeben hat und vieles besser funktionieren könnte, so können die Personen, die die Geschicke der Stadt in den letzten Dekaden gelenkt haben, auf ein beeindruckendes Wirken zurückblicken.
Die 12 Stationen im Überblick
Die Ausstellung führt an zehn zentrale Orte in der Stadt, wobei Start- und Endpunkt die beiden Museen bilden. Jede Station stellt einen Lebensbereich in den Mittelpunkt. Zeitgenössische Bilder veranschaulichen den Wandel in Stadt und Land. Daraus erklärt sich der etwas gewöhnungsbedürftige Projekttitel Stadt + Land = 40.
1 Stadtmuseum St. Pölten
2 Rathausplatz
3 Bahnhof
4 Universitätsklinikum
5 University of Applied Sciences
6 Domplatz
7 Alumnatsgarten
8 Ehemalige Synagoge
9 Altoonapark
10 Tor zum Landhaus
11 Klangturm
12 Museum Niederösterreich
Die neuen Quests kurz vorgestellt
Beim Erwandern der Stationen haben wir festgestellt, dass diese nicht mit dem Wanderer im Blick kuratiert wurden, sondern im Hinblick auf den Lebensbereich, der vorgestellt werden soll. Dadurch sind die 8 Stationen zwischen Landes- und Stadtmuseum fußläufig sehr gut erreichbar, während zwei Stationen etwas abgelegen sind und dadurch auf einer Distanz von 3.8km zu einer Wanderzeit von mindestens drei Stunden führt, will man sich mit den Stationen auch auseinandersetzen. Wir haben dieser Problematik Abhilfe geschaffen, indem wir unterschiedliche Routenvarianten erstellt haben.
Variante 1 startet im Alumnatsgarten und dreht sich in einer Art von S zuerst nach Süden ins Regierungsviertel und dann nach Norden zu Fachhochschule: https://ark.greensteps.me/commons/stp/quest/40-years-provential-state-capital-st-polten
Variante 2 startet bei der Fachhochschule und geht von dort Richtung Süden bis zum Klangturm, um beim Tor zum Landhaus zu enden: https://ark.greensteps.me/community/stp/quest/40-years-stp-version-2
Variante 3 erstreckt sich nur über die Stationen im Stadtkern und verkürzt dadruch die Distanz auf 2.4 km, nimmt dafür aber einige zusätzliche Sehenswürdigkeiten auf, die den Fokus von Kultur auf Natur lenken: https://ark.greensteps.me/community/stp/quest/40-years-stp-version-3

Mehrsprachigkeit & Nachhaltigkeit
Bildungsprojekte im öffentlichen Raum sind oft mit erheblichen Budgets verbunden. Für das Projekt Stadt+Land=40 haben Kuratoren von Landes- und Stadtmuseum Recherchearbeit geleistet und die Inhalte entsprechend aufbereitet. Zusätzlich wurden 12 3x3m große Tafeln produziert, die auf Betonelementen montiert und quer über die Stadt verteilt wurden. Der Aufwand ist für das Jubiläum entsprechend, aber zumindest die Stationselemente werden spätestens Ende 2026 entsorgt oder eingelagert – die Ausstellung in 12 Stationen endet offiziell am 1.November.
Mit der Green Steps ARK werden die kuratierten Inhalte digitalisiert und bleiben an den gewünschten Orten permanent erhalten – ohne einen CO2 Fußabdruck in der Form von Betonsockeln oder ähnlichem Einwegmaterial zu hinterlassen. Außerdem sind die Inhalte nicht nur in Deutsch oder Englisch abrufbar, sondern können in allen häufig gesprochenen Sprachen in unserer Stadt, in der laut Magistrat über 120 verschiedene Nationalitäten leben, gespielt werden. Bist du mehrsprachig, dann probiere eine der drei vorgestellten Quests in Türkisch, Ukrainisch, Bosnisch, Serbisch oder Ungarisch aus!
Was uns sehr freut ist eine neue Funktion auf der ARK, die es Lehrer:innen ermöglicht, die Inhalte der Quest im Klassenzimmer in der nächsten Unterrichtsstunde zB in Form einer Stundenwiederholung einzubinden. Die REVIEW Funktion zeigt am Smartboard ausgewählte Fragen zu Stationen in beliebiger Sprache an und ermöglicht es der Lehrkraft Erfahrungen in Freiraum direkt mit dem Lernen im Klassenzimmer zu verknüpfen. Bei Schönwetter heißt es daher umso mehr: rausgehen und eine der mehr über 40 Quests St. Pöltens erkunden. Bei Schlechtwetter können die Themen von draußen in der Klasse verarbeitet werden.


Worauf wir noch hoffen
Dass auch das Magistrat in St. Pölten den Wert unseres Projektes erkennt (andere Städte haben das bereits) und für Kinder und Familien die Sammelkarten dieser Stationen (und mittlerweile über 500 Sehenswürdigkeiten) zB im Bürgerservice abhol- und in einem von Green Steps bereits entworfenen Sammelalbum sammelbar macht. Gamification kann auch analog sein :)
Weiterlesen:
• https://www.museumnoe.at/de/40Jahre-Stationen
• https://www.st-poelten.at/news/20027-ausstellung-zu-40-jahre-landeshauptstadt
• Der Mobile Campus 4.0 als Bildungsstrategie zur Klimawandelanpassung
• Daniel Wahl: Reconnecting to place for planetary health

